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Stadtmarketing 

Es war einmal...

vor genau 40 Jahren, dass ich durch eine von meiner Mutter aufbewahrte Care-Paket-Adresse unmittelbar nach meinem Studium zuerst nach St. Louis/Missouri und anschließend nach Phoenix/Arizona kam. Meine Gastgeber, Verwandte "um einige Ecken", waren einflußreich. Deshalb durfte ich vielen interessanten Menschen begegnen. Auch solchen, die sich intensiv mit "Stadtmarketing" beschäftigten. Den eintägigen "Studien-Aufenthalt" in dem herunter gekommenen East-St. Louis werde ich nie vergessen...  Ein BID der besonders schlimmen Art!
In den ebenfalls fünf Monaten in Phoenix war es ähnlich. Auch dort hatten meine Verwandten - dieselben Leute - ähnlich wertvolle Kontakte. Gerade in Sun-City lernte ich Entwicklungen kennen, die damals schon dem Stand von ECE-Galerien heute bei uns ähnlich waren. Bemerkenswert... nicht unbedingt wünschenswert!

Spannungsfeld "Grüne Wiese"...

Richtig habe ich mich dem Stadtmarketing in meiner Managerzeit bei Silit gewidmet. Als Hersteller von hochwertigen Kochgeschirren und insbesondere des Sicomatic, dem damals meistverkauften Schnellkochtopf, hatte ich als Leiter des Marketing hauptsächlich mit dem Fachhandel und den Warenhäusern Karstadt, Kaufhof, Hertie und Horten zu tun. Zu dieser Zeit begann das Spannungsfeld "Grüne Wiese" und Innenstadt/Ortskern. Gleichzeitig verwässerte sich die bis dahin fast für "heilig" gehaltene Vertriebswege-Kultur der Hersteller hochwertiger Produkte. Die sog. Grenzanbieter, also diejenigen, die in den Markt wollten, oder die kurz vor der Pleite waren, hatten keine Skrupel,  eine Politik des "Allkanal-Vertriebs" zu betreiben. Die "Grüne Wiese" wurde so im Angebot immer attraktiver (Lockvogelangebote mit prominenten Marken-Artikeln), die Unternehmen der Innenstädte und Ortskerne hatten Frequenzverluste. Die ersten Leerstände waren sichtbar...

Moralische Aufrüstung...

Genau in dieser "Gemengelage" in den Jahren 1978 bis 1982 zog ich als Mann der Industrie von Einkaufsverband zu Einkaufsverband und von Werbegemeinschaft zu Werbegemeinschaft bzw.  zu den Handels- und Gewerbevereinen. Die Botschaft war klar und eindeutig:
"Ihr Engagement, sich nicht nur um Ihr Geschäft zu kümmern sondern auch um den ganzen Innenstadtbereich/Ortskern, ist richtig und wichtig. Ihr Problem ist jedoch, dass Sie immer zuerst für Ihr eigenes Geschäft, für Ihr eigenes Überleben kämpfen müssen. Das ist schon schwierig genug. Es fordert Sie mehr, als Sie leisten können. Deshalb muß die Problematik der Innenstadt, des Ortskerns systematisiert und institutionalisiert werden. Vor allem muß ein kontinuierlicher Prozeß begonnen werden. Und außerdem: es ist nicht Ihre Aufgabe, die Innenstädte und Ortskerne zu erhalten - es ist die Aufgabe der Kommunalpolitik. Ist der Fachhandel und das Fachhandwerk tot, ist die Innenstadt, der Ortskern mausetot! Wer prägt denn das Erscheinungsbild und den Erlebnischarakter einer Innenstadt, eines Ortskerns mehr als Sie? Weil dem so ist, brauchen Sie sich auch keine ansiedlungspolitischen Verrücktheiten gefallen zu lassen!"

Bei diesen Vorträgen ging es hoch, ja sehr hoch her, und unbestritten bin ich einer von den ganz wenigen gewesen, die die kommunalen Politiker "heiß" gemacht haben für dieses Thema. Wegen dieses Erfolges habe ich mich 1983 selbständig gemacht und wurde von so manchem Vorsitzenden einer "Werbegemeinschaft"/eines HGV  später öffentlich als einer der wenigen wirklichen "Väter des Stadtmarketing" bezeichnet und in der Presse als solcher zitiert!





Worte der Mahnung

Wenn Rudis Resterampe da,
ist meist auch das Ende nah.
Kommt dazu noch NKD, (Minipreis)
ruft der Fachmann laut o' weh!
Mit diesen Händlern,
es steht zu wetten,
ist keine Innenstadt zu retten.
Denn auf der Städte schönsten Plätzen,
soll man nicht nach Schnäppchen hetzen.
Hierhin gehören Geschäfte nur,
die Ware bieten mit Kultur.
Wer nur kaufen möchte und nicht muß,
spürt bei diesem Mix Verdruß...
und wandert ohne Zögern fort
zu einem bess'ren Einkaufsort.
Wenn's dort nicht klappt,
ist auch nicht toll -
die Schränke sind ja schließlich voll.
Was lernen wir aus der Geschicht'?
Nein, kaufen muß der Kunde nicht!
Er trennt sich nur von seinem Geld,
wenn auch das Umfeld ihm gefällt.
Drum, liebe Leute, seid bedacht,
was Ihr mit Euren (Innen) Städten macht.
Verdienen wird nur der noch viel,
der zeigen kann ein gut's Profil.
Das gelingt nur jener Stadt,
die erstens kluge Köpfe hat.
Die zweitens ziehen an einem Strick,
anstatt zu streiten - Stück um Stück.
Zum Überleben dient kein Streit
sondern nur Gemeinsamkeit!
Nur wenn Politik und Handel zusammenrücken,
wird das große Kunststück glücken:
die Verbraucher mehr zu reizen,
damit sie nicht mit'm Gelde geizen
oder suchen wie bisher das Weite,
dann seid Ihr - leider - bald schon pleite.
Merke: blühen wird nur jene Stadt,
die einen gesunden (Innenstadt) Handel hat!
© 1999 Joachim Bullermann

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